Räuchern: Magie in Plastiktüten?

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Willst du Rauch – oder was erleben? Räuchern kann mehr als gut riechen.

Es ist eine uralte Tradition, die wieder zu neuem Leben gefunden hat: Räuchern.

Räuchern kann eine sinnliche Erfahrung sein, die über verschiedene Ebenen wirksam ist. Oder nur esoterischer Raumduft.

Wie räuchere ich, wenn ich mehr will, als Duft aus der Konserve?


 

Liebst Du es auch, über diese hab-ich-alles-selbstgemacht-Märkte zu bummeln? Besonders ziehen mich Stände an, die allerlei Kräuter und Räucherwerk verkaufen. Dieser Duft, diese Farben – echt, die Verpackungen alleine sind meist schon ein Traum. Und als ich so stand und in Duft & Farbe badete, wollte eine Kundin wissen, welche Mischung sie bei Kopfschmerzen anwenden solle.

Die Verkäuferin ließ die Augen über die Reihen von unzähligen Tütchen mit geheimnisvollen Kräutern schweifen – ah, da ist sie ja: Anti-Kopfweh. Was denn da drin sei: Die Verkäuferin zückte die Lesebrille und begann mit ausgestrecktem Arm die winzige Schrift zu entschlüsseln. Stotterte so etwas wie Gobalostürax, rotes Sandelholz – alles „hochwertige Qualitätskräuter, des ham scho die Indianer herg`nom“.

Da muss ich erstmal tief durchschnaufen.


Vor unserer Nase wächst alles, was wir brauchen.

Wilde Hagebutte

Wir leben in einem Land, das vor Fruchtbarkeit und Kräuterreichtum nur so strotzt. Und qualmen uns ein mit amerikanischen Indianerkraut, das mittlerweile irgendwo in weiß-Gott-wo angebaut wird? Unter Bedingungen, die ich gar nicht kenne?

Genau hier, wo wir leben – in Bayern – , räucherten unsere Ahnen schon, als es noch nicht einmal Streichhölzer gab. Die weisen Frauen hatten weder Styrax noch Lavendel oder Rosmarin zur Verfügung. Sie räucherten mit dem, was sie in ihrer Lebensumgebung fanden. Harze und Kräuter, die ihnen in ihren Gärten und Wäldern begegneten.

 

Warum waren die Räucherungen damals so wirkungsvoll, dass sie sich über Jahrhunderte hielten?

Und sind heute zu einem dekorativen, esoterischem Raumduft verkommen?

Schafgarbe

Eine Räuchermischung aus dem Laden ist energetisch so ähnlich wie ein Hühnchen aus der Tiefkühltruhe:

 Wir nehmen es arglos aus der TK-Theke, bereiten es zu, stellen das Brathuhn knusprig und duftend auf den Tisch und freuen uns auf den Genuss.

Frauenmantel

Bist Du Dir dabei bewusst, dass es ein lebendiges Wesen war?

Ein Huhn, das vielleicht sein kurzes Leben lang nie die Sonne sah? Wo hat es gelebt? Wie wurde es genährt? Weißt Du, welche Farbe seine Federn hatten? Wie ist es gestorben? Kannst und willst Du Dir vorstellen, wie es dir in die Augen sieht?

Unsere Ahnen kannten jedes Räucherkraut beim Namen. Sie wußten, wo sie es finden, um ein Aussehen, seine Eigenheiten, seinen Duft und wie sie sich anfühlt. Sie teilten ihren Boden, ihre Luft, Regen und die Sonne mit dieser Pflanze. Schnitten sie eigenhändig. Trockneten sie vorsichtig. Bis zum Verräuchern steckte schon so viel Sorgfalt darin, dass jedes Blatt, jedes kleine Harzklümpchen wertvoll  wie Gold war. Es waren einfache, meist wilde Kräuter wie das Mädesüß – und entfalteten ihre Wirkung schon lange, bevor sie in Rauch aufgingen. Die weisen Frauen hatten eine tiefe Verbindung zu ihnen.

Es ist diese liebevolle Verbindung, die durch das Anzünden des Krautes durch die Elemente reist: Von Erde und Wasser zum Feuer zur Luft.

 

 


Das achtsame Durchschreiten des Rituals:

Weide

Vom Entdecken und Schneiden der Pflanze über das Trocknen bis zum Räuchern – alles ist Bestandteil des Rituals. Mit der Bewusstheit dessen, was Du damit bezweckst und geschenkt bekommst. Mit der Achtsamkeit für das, was die Pflanze ausmacht, die sich Dir schenkt.

Und die schicken Räuchermischungen aus dem online-Versand? Weil uns die

Brennnessel

Vorstellung fehlt, wie die fremden Pflanzen ausgesehen haben, wo sie lebten und wie sie verarbeitet wurden, wird sie ersetzt: Durch eine hübsche Verpackung. Einen phantasievollen Namen: Feenzauber-Rauch. Engelsbitte-Rauch.  Oft sind die Pflanzenteile so zerkleinert, dass sie nichts mehr gemeinsam haben mit der Pflanze, die sie mal waren. So wenig wie ein Tiefkühlhuhn einem lebenden Huhn auf zwei Beinen ähnelt.

Wenn Du nur Duft willst, greife ruhig zu einer fertigen Mischung. Wenn Du sicher bist, dass die Kräuter biologisch und ethisch sauber angebaut wurden. Ganz ehrlich: Ich habe sie auch, die Mischungen. Sie stehen hübsch und duftend in meinem Regal – weil man irgendwie das Gefühl hat, sich damit etwas Gutes zu tun.

Aber wenn Du die Wirksamkeit, den Zauber des Räucherns erleben willst, greife auf Kräuter und Harze zurück, die Du in Deiner Lebenswelt finden kannst.

Das geht sogar jetzt noch, im Winter. Auch, wenn die Auswahl jetzt klein ist. Fichten- und Kiefernharz findet sich das ganze Jahr über und bildet eine Grundlage für jede Mischung. Brennnessel, Gäseblümchen, Frauenmantel sind das ganze Jahr vorhanden, Rosmarin, Lavendel und Salbei sind mittlerweile in vielen Gärten heimisch.

Räuchern ist wirksam, wenn es einfach und bewusst ist.

Du brauchst für die Auswahl der richtigen Kräuter nur eines: Vertrauen in Dein Bauchgefühl und Deine Nase!

Mein Rezept für wirksames Räuchern:

  1. Verlasse Dich bei der Auswahl der Kräuter und Harze auf Dein Bauchgefühl und Deine Nase. Nimm, was sich in Deiner Umgebung findet. Nimm nur Pflanzen, von denen Du sicher bist, dass sie nicht giftig sind! Wenn Du eine gute Intuition hast, wirst Du von der Pflanze gefunden, nicht umgekehrt.
  2. Bedanke Dich bei der Pflanze, dass Du sie mitnehmen darfst.
  3. Trockne die Kräuter und Harze für einige Tage im Haus – auf einem Tuch ausgebreitet.
  4. Zerbröckle die Pflanzen- und Harzteile möglichst mit den Fingern. Denn so nimmst Du noch einmal sinnlichen Kontakt auf zu der Pflanze: Du siehst, riechst, spürst sie. Ich nutze meinen Mörser nur zum Zerkleinern von großen Harzbrocken.
  5. Verwende zum Räuchern feuerfeste Schalen. Es gibt spezielle Räucherstövchen, eine mit Sand gefüllte alte Back-/Auflaufform auf hitzebeständiger Unterlage tut es ebenso.
  6. Bevor Du das Räucherwerk entzündest: Hast Du eine Bitte an die Kräuter? Sie werden Dir dienen, wenn Du den Weg bis hierhin mit ihnen gemeinsam gewandert bist… Einen Teil ihrer Wirkung haben sie jetzt schon getan…

Lebe wild und wunderbar,

Deine Sonja

Meine Buchempfehlung:

Marlis Bader: „Räuchern mit heimischen Kräutern“, Goldmann Verlag

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