Ines: Die mit dem Wort tanzt….

Kreative Krisen gehören für sie zum Leben. Einfach ist es nicht, Mutterschaft, Beruf und den Anspruch an sich selbt zu jonglieren – wo ist da Raum für Kreativität? Doch Ines verstand es meisterhaft, aus tiefen Krisen Energie zu ziehen – um ihren schärfsten Kritiker von ihrer Berufung zu überzeugen: Sich selbst.


Ba-bling. Ba-bling. Ba-bling.

Das vertraute Ba-bling meines Smartphones. Doch diesmal enthüllt es mir nicht die üblichen Satzfetzen. Nein – Poesie! Wortmalerei! Und ich kann Ines´ leuchtende Augen vor mir sehen, während ich durch ihre Worte schwimme.

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Lehrerin ist sie, zweifache Mutter und Ehefrau. Eine friedliebende Person – und Wortmalerin.

Ines schreibt Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und „Smartphone-Lyrik“. 2015 hat sie ihren Roman „Granatapfelrot“ veröffentlicht, ihren zweiten, den sie gerade überarbeitet, wird sie auch irgendwann in Händen halten.

frech-wild-wunderbar hat sie besucht.

Ines, Du hast ein Buch veröffentlicht: Deinen Roman „Granatapfelrot“ kann man in Buchhandlungen bekommen oder bei Amazon bestellen. Respekt! Erzählst Du uns von Deinem Weg dorthin?

„Eigentlich habe ich schon immer geschrieben. Mein erstes Tagebuch habe ich mit 12 Jahren bekommen. Und vollgetextet mit Gedichten. Manche selbst erfunden, manche abgeschrieben. So habe ich das, was mich bewegt, abgelegt: kurz und knapp, mit wenig Worten. Mehr an Schreiberei habe ich mir nie zugetraut, nur davon geträumt.“

Dein Roman „Granatapfelrot“ erzählt von zwei schwulen Männern, von Demenz und Glasknochen, von tiefer Liebe, Trauer, Verlust und Gewissen. Haben Deine Geschichten biographischen Bezug zu Deinem Leben?

„Ja, da steckt einiges drin. Mir würde die Vorstellungskraft fehlen, einen Phantasieroman zu schreiben oder ein Leben völlig neu zu erfinden. Natürlich geben meine Geschichten nicht 1:1 mein eigenes Leben wider. Aber einige Lebensphasen und vor allem Gefühle korrespondieren mit dem, was ich schreibe. Gedichte entstehen zwischen Herd und Schule, sehr alltagsnah. Smartphone-Lyrik aus dem Bauch heraus, ganz spontan, wenn mir etwas in den Kopf ploppt oder ich einen interessanten WhatsApp-Chat geführt habe, der mir Wortmaterial liefert, das ich dann in Gedichtform verfremde.

 

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„Granatapfelrot“ entstand aus einer Krise heraus.

 

Sie war mein innerer Ansporn, es einmal mit längerer und intensiverer Schreiberei zu probieren.

Ist eine Phase vorbei, tritt eine Pause und Ruhe ein. Irgendwann fange ich dann wieder an zu schreiben – der Auslöser kann ein Bild sein oder ich spüre einem Erlebnis nach oder begegne einem konkreten Schreibauftrag.“

Was macht das Schreiben mit Dir – was gibt es Dir?

„Krisen sind mit tiefen, bewussten Gefühlen verbunden, mit Leid und Anstrengung. Vielleicht waren sie notwendig, um meine Kreativität frei zu setzen, die sonst leicht meinem inneren Kritiker zum Opfer fällt. Der Druck musste aus mir heraus, das Schreiben war mein Ventil. Die Smartphone-Lyrik hingegen ist purer Spaß, lässt mich zusätzlich mit Bildern und Symbolen spielen, die mein Handy so hergibt. Für mich ist das Schreiben wie Joggen, Malen oder Shoppen für andere. Es tut mir einfach gut, meine Gefühle in Worte zu packen – so wird in meinem Kopf wieder Platz für was anderes.“

Nicht jede, die eigene Texte schreibt, macht auch ein Buch daraus. Was hat Dir das Selbstvertrauen gegeben, damit ans Licht zu kommen?

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„Das war gar nicht so sehr eine Sache von Selbstvertrauen. Sondern von Liebe. Da muss ich von ganz vorn zu erzählen beginnen: Ich war eine mittelmäßige Schülerin, gerade Deutsch war nie meine Stärke. Als ich mich für einen Leistungskurs entscheiden musste, war das nicht leicht: Ich konnte nichts besonders gut. Also entschied ich mich nicht für ein Fach, sondern für einen Lehrer. Der war einfach sympathisch.

Ich fragte ihn, ob er mir das zutraue über Literatur zu schreiben – bei meinem Talent und meiner Rechtschreibung! (Ines lacht) Er meinte, wenn ich mich einfach an die Struktur klammere, die er mir beibringe, werde es schon klappen. Erst war es ein mechanisches Abspulen von Regeln, mit der Zeit konnte ich diese Strukturen immer leichter mit meiner eigenen Kreativität füllen. Diesem Lehrer bin ich von ganzem Herzen dankbar: Er hat mir den Zauber der Wortmalerei enthüllt. Daraus wurde eine Liebe fürs Leben – zur Schreiberei.“

Es hat Dir nicht gereicht, zu schreiben. Du hast Dich entschieden, Deine Werke zu veröffentlichen …

„Ach,… das war eigentlich nur für mich gedacht. Ich habe mir für meine Gedichte eine schöne Verpackung gewünscht. Wenn ich das Buch mit meinen Gedichten jetzt in die Hand nehme, werden diese Episoden meines Lebens wieder lebendig. Ich erinnere mich, was ich damals fühlte. Durch das gedruckte Buch kann ich mich vor dem Vergessen schützen. Das Internet bot mir eine sehr simple Lösung für den Druck an – also habe ich es gemacht.Bei meinem Roman war es ähnlich: Auch hier wollte ich anfangs nur eine ästhetische Verpackung.

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Mit dem Drucken geht man in eine neue Phase über, der Text ist endgültig abgeschlossen. Es entsteht Raum für Neues. Aber das war eine viel größere undanspruchsvollere Nummer als die Gedichte! Das konnte ich nicht alleine schaffen.

 

Ich dachte: Ines, nutze die Chance! Folge diesem absurden, vergrabenen Traum – ein eigener Roman mit deinem Namen vorne drauf!

Deine Geschichte ist außergewöhnlich, hat Potential, vielleicht lässt sich tatsächlich ein Verleger dafür begeistern. Die Suche durch das Netz begann und wurde schließlich belohnt – ich habe dabei einige nette, kleine Überraschungen mit wildfremden Menschen erlebt. Durch die Zusammenarbeit mit dem Lektor habe ich entdeckt, dass ich es sehr genieße, einen kreativen Austausch zu haben. Ich mag es im Team zu arbeiten. Über meinen Mut und diese außergewöhnliche Reise, die ich von meinem Schreibtisch aus gestartet habe, bin ich sehr froh und dankbar.“

Hattest Du Zweifel vor der Veröffentlichung?

„Oh ja! Mein innerer Kritiker ist wirklich fleißig. Ich wünschte, ich könnte so schreiben wie andere. Andere machen das viel besser … Aber mein eigenes Ziel war mir wichtiger: Das Beste, das ich leisten konnte aus dem Text heraus holen und dann schön verpackt zu bekommen. Meine Geschichte erhalten, für lange Zeit.“

Was würdest Du anderen Frauen mitgeben, die eine große Idee in sich tragen?

„Mache es für Dich! Konzentriere Dich darauf, sei mutig und optimistisch. Denke nicht darüber nach, was andere dazu sagen – das ist nicht wichtig, solange Du etwas hast, dass du für Dich möchtest und wofür Du dich begeisterst. Überlege Dir nicht was Du tun solltest oder von dir erwartet wird. Es zählt alleine, dass Du das willst, was Du machst.

Wenn Du ans Licht gehst mit Deinem Werk, brauchst Du einen guten Grund, der stärker ist als Deine Zweifel. Und dann ist es leichter, wenn Du es für Dich selbst tust.“


Das Interview führte Sonja Schlaak

Ines Roman „Granatapfelrot“ sowie ihr Gedichtband „WenigWorte“ sind bei Amazon erhältlich.

 

 

 

3 thoughts on “Ines: Die mit dem Wort tanzt….

  1. Liebe Ines,
    ich bin so stolz, Werke von einer langjährigen Freundin in Händen zu halten und Vieles darin zu entdecken, was unsere Jugend ausgemacht hat, Dinge von Dir zu entdecken, die mir bekannt sind…wer hätte früher gedacht, dass Du einen Roman schreibst. Du bist eine tolle Freundin, immer da und schreibst tolle und interessante Worte.
    Ich warte auf mehr.

  2. Glaub an dich…verwirkliche deine kreativität…übernimm verantwortung für dein leben…positioniere dich…fang einfach an…lebenslanges lernen und gestalten…so seh ich es auch, liebe ines…danke für den bereichernden, kommunikativen austausch mit dir…und weiterhin viel gutes geschreibsele…
    deine Christine.

  3. Ich schätze Ines nicht nur für Ihre Werke sondern gleichermaßen für ihre Herzlichkeit, die auch in diesem Interview spürbar ist.
    Alles Liebe für dich, liebe Ines!

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