Das Glück liegt im Straßengraben

Manchmal muss man nur die Augen aufsperren, um ein kleines Glück zu ernten.

Als meine Oma starb, wollte ich nur ein einziges Erbstück haben: Ein kleiner roter Emailtopf. In dem hat sie, als ich ein Kind war und bei ihr zu Besuch, immer eine einzelne Kartoffel gekocht. Nur für sie selbst. Weil auch eine alte einsame Frau etwas Gutes essen möchte.

Dieser kleine Topf war neben all den nostalgischen Krimskramks mein Lieblingssstück in ihrer winzigen Wohnung. Doch als es soweit war, ihre Habseligkeiten unter den Kindern und Enkeln zu verteilen, war das Töpflein weg. Es ist nicht so, dass es sich einer unter den Nagel gerissen hatte. Es war einfach weg.


Doch das Leben geht nunmal eigenartige Wege. Und so wunderte ich mich nicht, als jetzt – sechs Jahre später – ein kleines, rotes Töpflein in meinem Leben auftauchte. Es lag einfach so im Straßengraben. Zweimal bin ich daran vorbeigefahren – zunächst habe ich nur rot gesehen, doch als ich erkannte, was es war, habe ich meinen Mann zum Anhalten genötigt. Und hab ein kleines rotes Emailtöpflein aus dem Dreck gefischt. Es ist wunderbar – völlig intakt und glänzend….  Es ist nicht das Töpflein meiner Oma. Aber es erinnert mich trotzdem täglich an sie: Es steht, mit Moos und Pilzen gefüllt, vor meiner Haustüre.


Die wertvollsten Dinge sind die, die man nicht kaufen kann. Und ein Geschenk, das zu dir gehört, wird Dich finden – früher oder später. Freu Dich, wenn es in Dein Leben tritt! Und trau Dich, es zu ergreifen und dankbar dafür zu sein….

Lebe frech und wild und wunderbar,

Deine Sonja

 

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