Rauhnächte: Mystische Zeiten

Diese Nächte sind nicht von dieser Welt.

Die Tage zwischen den Jahren – endlich Urlaub. Es kommen Tage, in denen wir vollgefressen von einem Festessen zum nächsten stolpern, Geschenke umtauschen, grübeln wohin mit dem Weihnachtsgeld. Millionen Euro in die Luft pusten und wildfremden Menschen punkt Mitternacht um den Hals fallen.

Doch wenn wir mal Ruhe geben, spüren wir: Es sind Zeiten, die nicht von dieser Welt sind. Und es bleibt das eigentümliche Gefühl, dass wir jetzt nicht nur unter Menschen leben. Wie entsteht diese mystische Stimmung? Woher stammen die uralten, gruseligen Traditionen?


Zeiten den Übergangs: Die Fäden werden neu gesponnen

Mit der WinterSonnWende am 21. Dezember öffnen sich die Tore zu einer anderen Welt. Unsere Ahnen waren sich sicher: Die Percht zieht bald mit der wilden Schar übers`s Land und richtet über die Menschen. Doch gleichzeitig donnern die Hufe ihrer Geisterpferde durch die Felder und Wiesen und bringen Fruchtbarkeit:

Sie erwecken mit ihrem Hufgedonner die Erde aus ihrer Winterstarre – auch, wenn wir noch viele Woche darauf warten werden, dass neues Leben sichtbar wird. Das wiederkehrende Licht ist uns bereits versprochen, doch zuerst kommen die dunkelsten, düstersten Nächte des Jahres. Verborgen vor unseren Augen werden die Lebensfäden neu gesponnen und verwoben.

Mystische Zeiten und magische Gebräuche

Von Region zu Region unterscheiden sich die Geschichten, die man über diese Zeiten erzählt: Mal ist es die Percht – Frau Holle -, die mit ihrem Gefolge umherzieht, mal ist es Wotan, mal sind es die Geister der Verstorbenen. Die Rituale ähneln sich jedoch. So wurde keine Wäsche draußen aufgehängt, damit sich darin kein Geisterreiter verfangen könne. Man vermied es überhaupt, das Haus zu verlassen und verkroch sich geduldig an den wärmenden Ofen. Um böse Geister zu vertreiben, wurde viel geräuchert und mit Salz- oder Weihwasser gesprenkelt.

Das Feuer im Ofen durfte auf keinen Fall verlöschen, Tag und Nacht sollte eine Kerze brennen. Über den Ställen wurden magische Symbole angebracht – die später durch das C*M*B der Sternsinger abgelöst wurden. Auserwählte Männer – die Perchten – zogen unter grässlichen Masken verborgen und in Tierfelle gehüllt, durch die Straßen, um ihrerseits die Geister zu erschrecken und zu vertreiben. Zu geduldigem Warten verdonnert, hatten die Menschen nun ausreichend Zeit für Innenansichten. Es wurde viel orakelt und geweissagt, Geschichten aus alten Zeiten und Träume kommender Jahre erzählt.

Die rauen Nächte: Anfang und Ende

Der Begriff Rauhnächte leitet sich entweder von „rauh“, also behaart, ab und bezieht sich auf die behaarten, wilden, tierähnlichen Gestalten der Wilden Jagd und der Perchten. Oder aber von „Rauch“, da in diesen Tagen und Nächten besonders viel geräuchert wurde. „Losnächte“ ist ein anderer Begriff dafür, der zum Ausdruck bringt, dass man diese Nächte als besonders geeignet zum Orakeln hielt.Wann genau die Rauhnächte beginnen, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Mancherorts wird ab dem 21. Dezember bis zum 06. Januar gezählt.

Einig ist man sich darüber, dass die WinterSonnWende ein prägnanter Wendepunkt ist, der eng mit den Rauhnächten in Verbindung steht. Zugunsten der magischen Zahl 12 zählt man sie manchmal trotzdem nicht mit: Dann zählt man vom 25. Dezember bis zum 05. Januar. Jede der Rauhnächte steht hier für einen Monat des kommenden Jahres und ist einem Thema gewidmet. Auch die Zuordnung der Themen zu den Tagen variiert von Kalender zu Kalender.

  • 21. Dezember: WinterSonnWende (längste Nacht des Jahres,Thomasnacht, Yulnacht) Hoffnung auf das wiederkehrende Licht
  • 24. Dezember: Herzöffnung
  • 25. Dezember: Innere Führung
  • 26. Dezember: Irdische Wurzeln
  • 27. Dezember: Verzeihen
  • 28. Dezember: Tag der Unschuldigen Kinder, Inneres Kind
  • 29. Dezember: Freundschaft
  • 30. Dezember: Bereinigen
  • 31. Dezember: Vorbereiten
  • 1. Januar: Geburt des neuen Jahres
  • 2. Januar: Segenslicht
  • 3. Januar: Visionen
  • 4. Januar: Loslassen, Tod & Leben
  • 5. Januar: Rauch & Reinigung

Mond gegen Sonne: Ein Spalt im Kontinuum der Zeit.

Die seltsame Spannung, die in der Luft liegt, spiegelt die energetische Spannung wider, die durch den Konflikt aus Mond- und Sonnenkalender entstand: Ursprünglich wurde das Jahr in zwölf Mondphasen aufgeteilt, es bestand aus 354 Tagen. Im Zuge der christlichen Überformung sollte man sich nun an der Sonne orientieren: Ein Sonnenjahr wurde nun mit 365 Tagen gezählt. Es entstand ein Spalt zwischen den Zeiten: Die mütterliche, weibliche Energie der Mondin kommt in Konflikt mit der väterlichen, männlichen Energie der Sonne. Die 12 fehlenden Nächte wurden also an das Mondjahr angehängt – die Rauhnächte.

Auch heute noch haben viele von uns Angst vor der Dunkelheit. Und das, obwohl – oder weil? –unsere Häuser lückenlos verdrahtet sind und das Licht von der Zimmerdecke strahlt. Die drohende Gefahr finsterer Mächte lässt uns nicht kalt. Die Rauhnächte haben ihre Magie nicht verloren – wenn wir ihnen zwischen Gänsebraten, Sekt und Marzipanschweinen noch Raum lassen, uns zu berühren.


Loslassen, was war – erwarten, was kommt.

Die Dunkelheit unserer Zeit ist eine andere. Sie hat ihren Ursprung nicht in der Natur draußen – sondern in uns selbst. Jetzt ist die Zeit gekommen, über das vergangene Jahr zu reflektieren. Über das, was wir erreicht haben – und über die Fehler, die wir begangen haben. Tun wir es selbst, bevor die Percht es tut….

Es ist die Zeit, in der wir die Augen nicht mehr abwenden dürfen von unseren dunklen Seiten: Gewalt, Kriege, Ausbeutung, Ausgrenzung und Vorbehalte sind allgegenwärtig. Obwohl es vor Menschen wimmelt, fehlt die Menschlichkeit. Und das einzige, das wir ändern können sind wir selbst.

Betrachten wir also unsere dunklen Seiten – und unsere hellen.

Verzeihen wir denen, die es uns schwer gemacht haben, denn wir können daraus lernen.

Vergeben wir uns selbst – in der Gewissheit, dass wir nur Menschen sind und damit fehlbar.

Fühlen wir mit denen, die unser Mitgefühl brauchen: Menschen, Tiere, Pflanzen und unsere Mutter Erde.

Sei mitfühlend mit Dir selbst: Auch Du brauchst Zuneigung, Aufmerksamkeit und Wertschätzung.


Das ist die Botschaft der Rauhnächte:

Sei ehrlich zu Dir selbst und sieh, wer Du bist. Lass los, was Du nicht haben willst und hoffe auf Licht und Fruchtbarkeit. Manchmal brauchen wir es, von den Hufen der Wilden Schar wachgerüttelt zu werden. Damit neues, frisches Leben in uns entsteht. Denn dann können wir dem, was kommen mag, mit Vertrauen und Zuversicht entgegensehen.

Es ist eine heilsame Einkehr zwischen den Zeiten!

Ich wünsche Dir eine zauberhafte Zeit.

Lebe frech und wild und wunderbar,

Deine Sonja

 

In Deinem örtlichen Buchhandel findest Du noch mehr über die Geheimnisse der Rauhnächte, z.B.:

Jeanne Ruland: „Das Geheimnis der Rauhnächte.“

Vera Griebert-Schröder & Franziska Muri: „Vom Zauber der Rauhnächte.“

 

 

 

 

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